
Spanien rüstet sich für die totale Sonnenfinsternis – und den Moment danach

Am 12. August 2026 kurz nach 20.30 Uhr wird sich der Mond vor die Sonne schieben und weite Teile Nordspaniens sowie die Balearen verdunkeln. Für rund 90 bis 105 Sekunden wird es entlang eines schmalen Streifens von Galicien bis Mallorca so dunkel wie in der Dämmerung. Es ist die erste totale Sonnenfinsternis auf dem spanischen Festland seit 1905. Spanien bereitet sich deshalb seit Monaten auf einen gewaltigen Besucheransturm vor.
Die spanische Verkehrsbehörde DGT rechnet mit 400.000 bis 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten. Hotels in den sonst eher ruhigen Provinzen Burgos, Soria und León sind seit Monaten ausgebucht. Zimmer kosten teilweise mehrere hundert Euro pro Nacht. Auch auf Mallorca und in ländlichen Gebieten Kastiliens wird mit einem ungewöhnlich hohen Besucheraufkommen gerechnet.
Die Regierung hat bereits vor mehr als einem Jahr eine interministerielle Kommission eingerichtet. 350 offizielle Beobachtungspunkte wurden ausgewiesen. Rund 33.600 zusätzliche Polizisten und Guardia Civil Beamte sollen im Einsatz sein. Auf Mallorca wird sogar das Militär unterstützen.

Das größte Verkehrsproblem könnte allerdings erst entstehen, wenn die Sonnenfinsternis vorbei ist. Nach den wenigen Minuten der Totalität könnten Hunderttausende Menschen gleichzeitig ihre Autos starten und die Beobachtungsorte verlassen. Die DGT stuft den 12. August deshalb als Ereignis mit hoher Auswirkung auf den Verkehr ein und empfiehlt Besuchern, nach der Finsternis noch eine Weile am Ort zu bleiben.
Auch das Anhalten auf dem Seitenstreifen kann teuer werden. Wer dort sein Auto abstellt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Das Fahren mit einer Finsternisbrille ist ebenfalls verboten.
Hinzu kommt die extreme Waldbrandgefahr. In mehreren Regionen gelten strenge Feuerverbote, Naturgebiete wurden teilweise gesperrt. Heiße Katalysatoren und unachtsam weggeworfene Zigaretten könnten unter den trockenen Bedingungen neue Brände auslösen. Spanien erlebt bereits einen Sommer mit zahlreichen Waldbränden.
Wirtschaftlich dürfte die Sonnenfinsternis dagegen ein großer Gewinn sein. Schätzungen gehen von zusätzlichen Einnahmen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro aus. Hunderttausende Besucher reisen eigens für das Naturschauspiel an, viele von ihnen aus dem Ausland.
Für Spanien ist das Ereignis zudem nur der Auftakt. 2027 wird über Teilen Andalusiens erneut eine totale Finsternis zu sehen sein. 2028 folgt eine ringförmige. Damit entwickelt sich Spanien zu einem der wichtigsten Ziele Europas für Finsternis Tourismus.
Für die meisten Spanier und Besucher bleibt die Finsternis am Mittwoch allerdings partiell. Nur innerhalb des schmalen Korridors des Kernschattens verschwindet die Sonne vollständig, und die Korona wird sichtbar. Wer das Ereignis beobachten will, braucht deshalb freie Sicht nach Westen. Die Sonne steht zu diesem Zeitpunkt bereits tief am Horizont. Schon ein einzelner Baum oder ein Gebäude kann den Blick auf das entscheidende Schauspiel versperren.
Spanien hat sich mit Polizei, Militär, Verkehrsmaßnahmen und zahlreichen Beobachtungspunkten umfangreich vorbereitet. Ob die Planung funktioniert, wird sich am Mittwochabend zeigen. Zunächst in den rund 90 Sekunden, in denen der Himmel dunkel wird. Danach in den Stunden, in denen sich bis zu 1,5 Millionen zusätzliche Autofahrten auf Spaniens Straßen verteilen.
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